Blick in die Philharmonie beim Mitsingkonzert

Das Mitsingkonzert

Das Mitsingkonzert zieht jedes Jahr 1.300 Menschen aus aller Welt in die Philharmonie. Gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin und Simon Halsey studieren sie ein anspruchsvolles chorsinfonisches Meisterwerk in zwei Proben ein und führen es anschließend vor einem begeisterten Publikum auf.

Mit 1.300 Menschen in der Philharmonie Berlin singen

Die großen Mitsingkonzerte in der Philharmonie sind rauschende Feste des Ensemblegesangs, bei denen man sich von den Klangwogen eines Riesenchores forttragen lassen kann. Das Besondere an den Mitsingkonzerten ist, dass Amateure hier auf einer regelmäßigen Basis einmal im Jahr mit einem Profi-Chor unter professionellen Arbeitsbedingungen proben und singen können.

 

Der Rundfunkchor hat bereits seit den 90er Jahren verschiedene Initiativen gestartet, die eine Brücke zwischen der großen Gemeinde der Amateursänger und den Profis schlagen sollen. Auch diejenigen, die keinen Zugang zur klassischen Musik haben, wollte er für Chorgesang begeistern. Mit den Mitsingkonzerten haben diese Initiativen eine feste und erfolgreiche Form gefunden, deren Resonanz weit über Berlin und sogar über Deutschland hinaus reicht. 2010 wurde das Erfolgsmodell Mitsingkonzert erstmals auch in das römische Theater von Aspendos in der Türkei exportiert und fand seither auch in Budapest und Wien statt.

 

Trailer zum Mitsingkonzert 2016

Termine
Mitsingkonzerte
Kampagnenbild Mitsingkonzert 2016
Kampagnenmotiv Mitsingkonzert 2017

Philosophie des Mitsingkonzerts

Menschen zusammenbringen

Ein international tätiger Profi-Chor, der vom Steuerzahler subventioniert wird, sagt Simon Halsey, muss der Allgemeinheit zurückgeben, was er von ihr bekommt. Halsey ist ein Community Worker aus Herz und Überzeugung. Das ist seine zweite Leidenschaft neben der Arbeit an der Seite der Größten der klassischen Musik. In Birmingham baute er seit 1982 vier Chöre unterschiedlicher Anspruchsgrade auf und riss die ganze Stadt in einen Taumel musikpädagogischer Aktivitäten. Halsey will die Menschen vom Fernseher weglocken und zum aktiven Musizieren verführen. Dafür verlieh ihm die Universität von Birmingham den Ehrendoktor. Es war selbstverständlich, dass er seine Ideen und Erfahrungen auch mit nach Deutschland brachte, als er im April 2001 die Leitung des Rundfunkchores Berlin übernahm. 2010 wurde Halsey für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

 

Singen mit den Profis

Das Besondere an den Mitsingkonzerten ist, dass Amateure hier auf einer regelmäßigen Basis einmal im Jahr mit einem Profi-Chor unter professionellen Arbeitsbedingungen proben und singen können.
Der Rundfunkchor hatte bereits seit den 90er Jahren verschiedene Initiativen gestartet, die eine Brücke zwischen der großen Gemeinde der Amateursänger und den Profis schlagen sollten, aber auch diejenigen, die keinen Zugang zur klassischen Musik haben, für Chorgesang begeistern sollten. Mit den Mitsingkonzerten haben diese Initiativen nun eine feste und erfolgreiche Form gefunden, deren Resonanz weit über Berlin und sogar über Deutschland hinaus reicht. 2010 wurde das Erfolgsmodell Mitsingkonzert erstmals auch in das römische Theater von Aspendos in der Türkei exportiert und fand seither auch in Budapest und Wien statt.

 

Die Faszination des Riesenchores

Im allgemeinen Musikleben Berlins haben die Mitsingkonzerte eine ähnliche Bedeutung wie die klassisch-romantische Tradition der Sängerfeste. Mit ihren Massenaufführungen lassen sie anspruchsvolle Musik wieder aufleben und bieten dem Publikum die einmalige Möglichkeit, die Klanggewalt eines Riesenensembles in Werken – die zum Teil für solche große Besetzungen geschrieben wurden – selbst zu erleben.

Das gilt nicht nur für die unvergesslichen Klang-Eruptionen des Verdi-Requiems (2008) oder der Einleitung von Händels »Zadok the Priest« (2007), die dem Publikum Schauer über den Rücken jagten. Vor allem im piano-Bereich gilt die Regel: Je größer ein Chor ist, desto leiser kann er singen. Dann spürt man die Vibrationen der Schallwellen in allen Poren der Haut. Und zudem lassen die Mitsingkonzerte bei den Proben wie beim Konzert und in den Pausen die gemeinschaftsstiftende Funktion des Gesanges spüren. Das wurde besonders eklatant bei Werken wie Carl Orffs »Carmina Burana«. Als geniale Spielmusik sind sie so geschrieben, dass sie von Amateuren leicht bewältigt werden und damit rasch zu Erfolgserlebnissen und Gemeinschaftsgefühl führen. Das vermochte selbst Skeptiker 2005 in der Berliner Philharmonie zutiefst zu bewegen. Inzwischen haben Werke wie Brittens »War Requiem« (2011) gezeigt, dass auch hochanspruchsvolle Literatur des 20. Jahrhunderts im Mitsingkonzert in hoher Qualität aufgeführt werden kann.

Geschichte des Mitsingkonzerts

Die Anfänge

Der überwältigende Erfolg war im März 2003 noch nicht absehbar, als das Modell Mitsingkonzert mit einem Pilotprojekt im Haus des Rundfunks getestet wurde. Damals hatte der Rundfunkchor vor allem bereits bestehende Amateur-Chöre eingeladen, mit ihm einen »Tag für die ganze Familie« zu gestalten. Immerhin 504 Gastsängerinnen und -sänger folgten dieser Einladung, probten und sangen unter Simon Halsey A-cappella-Werke von Tallis, Palestrina, Stanford, Bruckner, Gershwin, Bernstein und Orff. Der Erfolg führte dazu, dass man sich schon im folgenden Jahr an ein großes, geschlossenes Werk mit Orchester wagen konnte: Im Mai 2004 stand Mozarts Requiem auf dem Programm. Das Mitsingkonzert hatte seinen Namen gefunden und wandte sich nun auch an individuelle Sänger, die keinem Chor angehörten. Der Einladung folgten erstmals auch Sänger aus Finnland, Italien, Japan, Österreich, Polen und der Schweiz

Der Eindruck und die Nachfrage waren so stark, dass die Mitsingkonzerte im folgenden Jahr in die Berliner Philharmonie mit ihren 2300 Plätzen umziehen mussten. Seit 2005 versammeln sich dort regelmäßig 1300 Gastsänger – Rundfunkchor und Orchester nicht mitgerechnet. 2009 überschritt das Mitsingkonzerte die 1500er-Marke.

 

Neue Herausforderungen

Seither stellt sich der Rundfunkchor Berlin immer wieder neuen Herausforderungen, um das Potenzial dieses Formats auszuschöpfen. 2010 reiste er zum ersten Mal mit einem Mitsingkonzert ins Ausland und lud im Amphitheater von Aspendos in der Türkei zur gemeinsamen Aufführung der »Carmina Burana« ein. Mit dem »War Requiem« von Benjamin Britten wurde 2011 eine neue Dimension erschlossen: Damit stand zum ersten Mal ein Werk der Moderne auf dem Programm, das in Deutschland selten aufgeführt wird und hohe Anforderungen an die Sänger stellt. Das Experiment gelang – und der Beweis für die künstlerische Qualität der Mitsingkonzerte war endgültig erbracht.

Zusätzlich zum traditionellen Mitsingkonzert in der Philharmonie Berlin gibt es mittlerweile verschiedene Angebote für spezielle Zielgruppen: Auf dem »Fest der Kulturen« singen mehrere hundert Amateursänger mit weltbekannten Gospel-Spezialisten. Speziell für Berliner Schüler gibt es seit 2009 die Liederbörse im Kammermusiksaal der Philharmonie.

Chronik der Mitsingkonzerte

2016 Franz Schubert: Messe Nr. 6 in Es-Dur
2015 Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
2014 Beethoven: Chorfantasie und Messe in C-Dur
2013 Georg Friedrich Händel: Der Messias
2012 Joseph Haydn: Nelson-Messe
2011 Benjamin Britten: War Requiem
2010 Franz Schubert: Messe Nr. 5
2009 Felix Mendelssohn Bartholdy: Elias
2008 Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
2007 Händel: Zadok the Priest / Fauré: Requiem
2006 Johannes Brahms: Ein Deutsches Requiem
2005 Carl Orff: Carmina Burana
2004 Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem
2003 Werke von Tallis, Palestrina, Stanford, Bruckner, Bernstein, Gershwin, Orff u.a.