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Eine Idee, die bleibt: Hans-Hermann Rehberg über 15 Jahre SING!
Was als Pilotprojekt begann, ist heute ein fester Bestandteil kultureller Bildung in Berlin: SING! feiert 15-jähriges Bestehen. Mitbegründer Hans-Hermann Rehberg, ehemaliger Direktor des Rundfunkchores Berlin, blickt im Gespräch auf die Anfänge zurück – und auf eine Idee, die bis heute nachwirkt.
Wie alles begann
Besuch des Patensängers Wilfried Staufenbiel in einer SING! Chorklasse, 2011
Während eines sechswöchigen Produktionsaufenthalts in Frankreich wohnte das Team des Rundfunkchores gemeinsam in einem Haus – und nutzte die Zeit, um intensiv über die Zukunft des Ensembles nachzudenken. »Eigentlich haben wir Pläne für die nächsten 100 Jahre entwickelt. Wir wussten, dass wir nicht alles, was wir diskutierten, auch realisieren können. Aber wir ließen nach den Proben und Vorstellungen einfach mal die Fantasie spielen.«
Aus diesen Überlegungen kristallisierte sich ein großer Wunsch heraus: »Wir müssen einen neuen Weg finden, Singen intensiver in die Community zu bringen«. So entstand die Idee von SING! – dem Bildungsprogramm des Rundfunkchores Berlin, dass das Singen zurück in den Schulalltag bringen soll – die Lücke schließen zwischen musikalischer Früherziehung und dem oft vernachlässigten Singen in der Grundschule. Gemeinsam mit Simon Halsey, ehemaliger Chefdirigent und heutiger Ehrendirigent des Rundfunkchores Berlin, entwickelte Rehberg das Konzept, inspiriert vom britischen Programm »Sing Up«.
Der Ansatz war ebenso einfach wie wirkungsvoll: das Singen dorthin zu bringen, wo Kinder sind – in die Klassenzimmer. Und zugleich die Kinder dorthin zu führen, wo Musik unmittelbar erlebbar wird – auf die große Bühne.
Formate, die berühren
Liederbörse in der Philharmonie, 2023
SING! hat einen festen Platz in der sogenannten Liederbörse, die jährlich einmal für Grundschulen und einmal für Oberschulen stattfindet. Durch die Trennung von Grundschule und Oberschule wird für jede Altersgruppe die passende Ansprache und das geeignete Programm gefunden – denn niemand soll sich in den Konzerten langweilen, weder klein noch groß.
In der Liederbörse für Grundschulen stehen Im Großen Saal der Philharmonie Grundschulchöre gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin auf der Bühne. Neben zwei SING!-Schulen nehmen jedes Jahr rund ein Dutzend weitere Berliner Grundschulchöre teil. »Es geht auch darum, die Verbindung zur Bühnenkultur herzustellen, zu begeistern und neugierig zu machen. Und darum, dass die Kids ihre Eltern mit ins Boot holen und mitziehen.«
Ein starkes Netzwerk – gestern wie heute
Fortbildung für Lehrkräfte und pädagogisches Personal, 2025
Von Anfang an setzte SING! auf ein starkes Netzwerk. Lehrkräfte, Musikschulen und die Landesmusikakademie wurden gezielt eingebunden. Ziel war es nicht nur, einzelne Projekte umzusetzen, sondern nachhaltige Strukturen zu schaffen. »Es sollte kein Alleinläufer sein – wir wollten ein Netzwerk.«
Gerade in Zeiten, in denen Musikunterricht vielerorts unter Druck steht, gewinnt das Projekt zusätzliche Bedeutung. »SING! spielt eine essentielle Rolle in der kulturellen Bildung«, sagt Rehberg.
Die Zahlen zeigen den nachhaltigen Erfolg von SING!: 38 Schulen haben bislang teilgenommen, jährlich singen 600 bis 800 Kinder in SING!-Chören. Rund 70 Pädagog:innen werden regelmäßig fortgebildet, um das Singen qualifiziert in den Unterricht zu integrieren.
Zum Jubiläum richtet sich der Blick nach vorn. Nach 15 Jahren SING! und 100 Jahren Rundfunkchor Berlin geht es darum, das Erreichte weiterzutragen und auszubauen. Rehbergs Wunsch: »Dass das Projekt lebt, sich weiterentwickelt – und dass der Funke überspringt.« Ein Modell, das Kreise zieht und andere Kulturinstitutionen dazu inspiriert, diesen Weg mitzugehen.