Interviews

Auf ein Wort mit Emilia Voss zum FSJ Kultur

Emilia Voss, FSJ-Kultur beim Rundfunkchor Berlin

Emilia ist frisch aus der Schule, mitten in Berlin gelandet – und gleich mittendrin im Chorleben! Als neue FSJlerin im Management-Team des Rundfunkchores Berlin jongliert sie täglich mit To-do-Listen, kreativen Ideen und einem Old-School-Telefon, das schon mal Herzklopfen auslöst. Warum Excel-Tabellen manchmal fast so spannend sind wie Bühnenmomente, was der Luxus einer Badewanne mit Teamspirit zu tun hat und wieso man kein Profi sein muss, um hier ganz groß einzusteigen – das erzählt sie uns im Interview.

1. Facts: Woher kommst Du? Welche Leistungskurse hattest Du? Was war Dein Bezug zu Kultur, als Du aufgewachsen bist?

Ich komme aus der kleinen norddeutschen Stadt Lüneburg. In der Schule dort waren meine Leistungskurse Deutsch, Englisch und Musik. Mein Vater ist Kirchenmusiker und meine Mutter Sängerin, was meinen kulturellen Hintergrund auf jeden Fall geprägt hat. Als ich aufgewachsen bin, musste (und durfte) ich viele Gottesdienste und Oratorien anhören – heute freue ich mich darüber. Ich selbst spiele Cello und Theater, ich singe im Chor und habe auch mal im Kino gearbeitet – also viel Kultur bisher!

2. Wie kamst Du drauf, ein FSJ Kultur zu machen und was verleitete Dich zum Rundfunkchor Berlin? Wie hilft Dir das bei Deiner beruflichen Orientierung nach dem Abi?

Mir war schon während des Abis klar, dass ich vor dem Studium erstmal ein Jahr lang etwas anderes machen möchte. Die Idee für das FSJ kam mir schnell, und da ich eben mit Chormusik aufgewachsen bin, hatte ich Interesse an einem FSJ Kultur. Ich bin dann über eine Instagram-Story des Bundesjugendchores drauf gestoßen, das FSJ bei einem professionellen Chor zu absolvieren. Über eine FSJ-Chor-Bubble im Internet habe ich den Rundfunkchor Berlin gefunden und mich einfach beworben.

3. Was sind genau Deine Aufgaben und wie ist Dein Tagesablauf?

Das kann sehr unterschiedlich sein. Oft kommen die Leute aus allen möglichen Bereichen auf mich zu und fragen, ob ich noch etwas übernehmen könne. Ich drucke und versende Verträge, erstelle Excel-Tabellen, Besetzungslisten, bin aber auch in Brainstorming-Runden dabei, konzipiere Ideen für die Website und und und…

4. Gibt es einen Moment, in dem Du gemerkt hast: »Jetzt gehöre ich hier wirklich dazu?«

Das ging relativ schnell, weil das Team extrem offen und akzeptierend ist. Es gab also nicht diesen einen Moment, ich habe mich schon von Anfang an integriert gefühlt.

5. Was war die bisher größte Überraschung in Deinem FSJ-Alltag und warum?

Als wir zusammen mit dem Management-Team nach Bad Belzig gefahren sind und ich, die FSJlerin, als Einzige das Luxuszimmer mit riesigem Bad und Badewanne bekommen habe. Die FSJler:innen werden hier premium behandelt :)

6. Was hat Dich am Anfang überfordert, das Dir jetzt aber Spaß macht?

Telefonieren. Als mein Telefon das erste Mal klingelte, ist mein Herz kurz stehen geblieben. Aber es hat was, dieses Old-School Telefon, mit dem man sich sehr wichtig und „business-like“ fühlt.

7. Welchen Rat würdest Du Deinem FSJ-Ich vom ersten Tag heute geben?

Entspannt zu sein und sich auf alles zu freuen. Ich war am Anfang sehr aufgeregt und habe schnell gemerkt, dass es dafür keinen Grund gibt. Man sollte sich einfach drauf freuen und alle Erfahrungen mitnehmen, die man kriegen kann.

8. Was war Dein Aha-Moment bisher – etwas, das Du über Dich oder über die Arbeit im Kulturbereich gelernt hast?

Wie ernst man das Chorsingen nehmen kann, denke ich – ich kannte das ja bis jetzt nur aus dem Hobbybereich. Mir ist außerdem in dieser Großstadt Berlin aufgefallen, wie offen hier die ganze Community ist und wie sehr man versucht, möglichst viele Menschen anzusprechen. Hier wird sich täglich Gedanken darüber gemacht, was man noch verbessern und erneuern kann, um noch andere Publikumsgruppen zu integrieren. Ich finde es schön, dass es hier diesen Drang nach Veränderung gibt, der niemals aufhört. Zu sehen, wie sich das Kulturgeschäft mit der Zeit wandelt, gefällt mir sehr.

9. Wenn Du Dein FSJ-Gefühl in einem Wort beschreiben müsstest, welches wäre das?

Bereichernd! Ich sammle jetzt bereits viele Erfahrungen und soziale Kompetenzen, die mir im (Berufs-)Leben später helfen können.

10. Gibt es ein Ritual, das Du Dir vor oder nach der Arbeit angewöhnt hast?

Frühstücken – vor der Arbeit. Das habe ich in der Schulzeit so früh am Morgen eigentlich nicht gern gemacht, aber jetzt ist es schon wichtig, um genug Energie für den Arbeitsalltag zu haben. Man muss auch nicht mehr ganz so früh aufstehen…

11. Wenn Du eine eigene kleine FSJ-Playlist machen würdest, welcher Song müsste unbedingt drauf?

»Money, Money, Money« von ABBA! Das wurde bei der ersten RundfunkchorLounge gesungen, bei der ich dabei war. Es ist einfach ein cooler Song.

12. Welche Fähigkeiten oder Talente konntest Du beim FSJ-Kultur entdecken, die im Schulalltag vielleicht unbemerkt geblieben wären?

Kreativ zu arbeiten, ob im Projektmanagement oder im Pressebereich. Allgemein glaube ich, dass Kreativität im Schulalltag viel zu kurz kommt, hier aber wirklich viel eingesetzt wird.

13. Gibt es Erfahrungen aus dem FSJ, die Du als »once in a lifetime«-Chancen bezeichnen würdest?

Gute Frage! Alles fühlt sich nach »once in a lifetime« an, da ich hier ohne richtige Qualifikation in eine große Institution reinblicken darf, die so wichtige Arbeit leistet. Ich wurde dort einfach ins kalte Wasser geschmissen und darf nun alles mitnehmen, was ich angeboten kriege. Es ist sehr selten, solch eine Möglichkeit zu bekommen.

14. Was wäre Dein Traumjob im Kulturbetrieb?

Ich sehe mich eher auf der Bühne als hinter der Bühne. Ich werde mich für ein Schauspielstudium bewerben und möchte gern Schauspielerin werden. Aber während meines FSJ habe ich auch den Reiz daran, hinter der Bühne zu sein, für mich entdeckt. Ich habe gemerkt, dass ich es auch interessant finde, im Projektmanagement oder im Marketing zu arbeiten, das könnte ich mir also auch vorstellen.

15. Inwiefern gibt Dir das FSJ die Möglichkeit, wirklich eigene Ideen umzusetzen?

Das FSJ hängt natürlich immer von der jeweiligen Einsatzstelle ab. Das Team beim Rundfunkchor Berlin gibt mir sehr viele Möglichkeiten, mich einzubringen und Ideen zu äußern. Ich stoße hier überall auf offene Ohren, bekomme viele Freiheiten und kann mich kreativ ausleben. Im Rahmen des FSJ Kultur muss man ein eigenständiges Projekt leiten, von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Das finde ich ziemlich cool, da es eine tolle Möglichkeit bietet, etwas ganz individuell zu gestalten. Das Team hilft mir bei der Ideenfindung und Umsetzung, ich fühle mich sehr unterstützt, das ist echt schön. 

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