Foto Anne Bretschneider

Auf ein Wort mit Anne Bretschneider

Die Sopranistin Anne Bretschneider ist seit 2011 Mitglied im Rundfunkchor Berlin. Für die Liederbörse am 4. März 2017 im Kammermusiksaal der Philharmonie hat sie im Vorfeld den Kontakt zu teilnehmenden Schulchören aufgebaut und diese bei der Vorbereitung auf das Konzert unterstützt.

Was ist Ihre Aufgabe bei der Liederbörse?

Ich gehe im Rahmen der Liederbörse als Patin aus dem Rundfunkchor in die Schulen und versuche, den Schülern einen Eindruck vom Beruf Sänger und im Speziellen Chorsänger, zu vermitteln. Ich beantworte Fragen rund um das Thema Chorsingen. Viele Kinder wissen nicht einmal, dass das ein Beruf ist und man sehr lange dafür studiert.

Auch Themen wie die Stimmhygiene werden besprochen. Und natürlich auch praktische Dinge wie zum Beispiel wie und wo geprobt wird, wie oft und wie lange geübt werden muss, bevor man auf die Bühne geht. All das sind Fragen, die die Kinder spannend finden.

Wie bereiten Sie sich auf die Schulchor-Besuche vor? Was erleben Sie in den Schulen?

Ich bereite im Vorfeld die Literatur, die in der Liederbörse gesungen wird, vor. Das heißt, ich lerne die Stücke und überlege zum Beispiel, welche Problemchen in den Schulstunden bei den einzelnen Stücken auftreten könnten, zu denen ich noch den einen oder anderen Tipp geben kann.

Ich bespreche im Vorfeld mit der Lehrerin, wie wir die Stunde gemeinsam gestalten wollen. Oft ist es so, dass ich mich den Kindern zunächst vorstelle, etwas von mir und meinem Beruf berichte. Dann beantworte ich sehr viele Fragen der Kinder. Danach singe ich die Kinder ein.

Nach dem Einsingen singe ich den Kindern etwas vor, und danach singen die Kinder wiederum mir etwas aus dem vorbereiteten Programm für die Liederbörse vor. Oft singe ich auch nochmal mit oder singe die zweite Stimme dazu. Im Anschluss kann ich noch ein paar Hinweise geben – und schon ist die Schulstunde rum.

Was finden Sie an der Zusammenarbeit mit Schülern spannend? Was ist die besondere Herausforderung dabei?

Für mich ist es immer schön in der Grundschule zu erleben, wie unvoreingenommen die Kinder der klassischen Musik gegenüber sind. Die Freude und Lust am Singen stehen noch im Vordergrund. Und wenn die Kleinen sich dazu noch bewegen können, klatschen, im Rhythmus gehen oder ähnliche Aktionen mit dem Singen verbinden, sind sie voll dabei.

Es gibt auch verschlossene und schüchterne oder verhaltensauffällige Kinder, für die Singen ein Ventil sein kann. Dadurch, dass Singen ein ganzkörperliches Erlebnis ist, spüren sie sich mitunter durchs Singen besser und kommen leichter aus sich heraus.

Die ganze Rasselbande dann noch zu bändigen und eine gewisse Ruhe in die Chorstunde zu bringen ist immer wieder eine rein praktische Herausforderung für mich, da jede Klasse anders tickt und eine ganz individuelle Energie mitbringt.

Bei den älteren Schülern besteht die Herausforderung für mich in erster Linie darin, Interesse bei denen zu erwecken, die dem Thema klassische Musik weniger zugewandt sind, oder sich nicht trauen mit ihrer Stimme einfach loszulegen.

Wie kann man heutzutage Kinder und Jugendliche für das Singen im Chor begeistern?

Man muss zunächst die Neugierde und Lust am selber Singen erwecken. Es gibt schöne Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, die die Heranwachsenden schon vor Ort zum Singen animieren. Ich glaube, dass die meisten kleinen Kinder von sich aus gerne singen. Aber das Singen in der Gemeinschaft können sie nur kennen lernen, wenn ihnen die Gelegenheit dazu geboten wird. Das kann in oder außerhalb der Schule passieren.

An unserer Liederbörse nehmen beispielsweise Chöre aus Berliner Grund- und Oberschulen teil. Alle erfahren, was es bedeutet, mit hunderten von Kindern/Jugendlichen und einem professionellen Chor gemeinsam in einem Konzertsaal zu singen. Das klingt natürlich ganz anders, als wenn sie in ihrer Schulaula einen Auftritt haben. Wenn man eine so große Menge musizierender Menschen erlebt, kann das ein ziemlich eindrucksvoller Moment sein, der Spuren hinterlässt und glücklich machen kann.

Warum engagiert sich der Chor im Education-Bereich bzw. in der Musikförderung?

Wir möchten den Nachwuchs an die klassische Musik und im Speziellen ans Singen möglichst früh heranführen. Die Freude am Singen soll gefördert werden, und oft funktioniert so etwas einfach durchs direkte Erfahren und Ausprobieren und durch Begegnungen mit Menschen, die genau davon »ein Lied singen können«.

In der Liederbörse werden Werke unterschiedlichster Musikstile gesungen. Welche Musik hören Sie privat?

Ich höre so gut wie keine Musik, da ich fast jeden Tag selber singe und dann auch einfach mal die Stille genieße.

 

Das Gespräch führte Maike Pertschy.