RundfunkchorLounge 23.04.2026 Totale

RundfunkchorLounge 25/26 »Die andere Hälfte des Olymp«

Frauen, Macht und Mythos

19.30 Uhr Heimathafen Neukölln leider verpasst

Identitätsklänge: Mythos und Musik

Zum Saisonabschluss richtet die RundfunkchorLounge den Blick auf »die andere Hälfte des Olymp«: weibliche Figuren der Antike und ihre Wirkung bis in die Gegenwart. Zwischen Antigone, Ariadne und Cassandra entfaltet sich ein Spannungsfeld aus Macht, Zuschreibung und Identität.

Wie prägen patriarchale Erzählungen über Frauen bis heute unsere Vorstellungen von Geschlechterrollen? Und wie werden diese Bilder in der Musik aufgegriffen und neu interpretiert? In Gespräch und Konzert begegnen sich antike Mythen und heutige Perspektiven.

Der Rundfunkchor Berlin spannt unter der Leitung von Gijs Leenaars einen musikalischen Bogen von Monteverdi und Schubert über Brahms bis hin zu Szymanowski und ABBA – und macht unterschiedliche Frauenbilder und ihre Deutungen hörbar.

Als Gesprächsgäste sind die Autorin und Content Creatorin Tara-Louise Wittwer sowie die Altphilologin Prof. Dr. Katharina Wesselmann zu erleben, die gemeinsam Perspektiven auf Geschlecht, Macht und Mythos eröffnen.

Programmdetails

Programm

Luca Marenzio

»Scendi dal paradiso« (1584)


aus »Il quarto libro de madrigali à cinque voci«
für fünfstimmigen Chor a cappella

Rundfunkchor Berlin

Liedtext Übersetzung

Scendi dal paradiso,
venere, e teco guida
i pargoletti Amor, le gratie e’l riso,
oltre l’usato rida
in vista ’l ciel sereno,
il Tebro al mar Thirreno,
porti di perle adorno
invece d’acque il corno.
E i nostri canti giungano alle stelle,
poi ché l’anime belle
d’Amarilli e di Tirsi sono unite.
al nodo sacro e santo,
come a l’Olmo la vite,
o come al tronco l’edera o l’acanto.

Text: Luigi Tansillo (1510–1568) zugeschrieben

Steig herab aus dem Paradies,
Venus, und bringe mit dir
die Kleinen: Amor, die Grazien und das Lachen,
damit der klare Himmel
in Sichtweite noch mehr strahlt als sonst.
Lass den Tiber fließen,
mit Perlen statt Wasser,
hinab ins Tyrrhenische Meer.
Mögen unsere Lieder die Sterne erreichen,
da doch die schönen Seelen
von Amarilli und Tirsi vereint sind
im heiligen und geweihten Bund,
wie die Rebe und die Ulme,
oder Efeu oder Akanthus am Stamm.

Text: Luigi Tansillo (1510–1568) zugeschrieben

Franz Schubert

Strophe aus »Die Götter Griechenlands« D 677 (1819)


für Singstimme und Klavier

Bruno Meichsner, Bariton
Philip Mayers, Klavier

Liedtext

Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder,
Holdes Blütenalter der Natur!
Ach, nur in dem Feenland der Lieder
Lebt noch deine fabelhafte Spur.
Ausgestorben trauert das Gefilde,
Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick.
Ach! Von jenem lebenwarmen Bilde
Blieb der Schatten nur zurück.

Text aus: Friedrich Schiller, »Die Götter Griechenlands« (1788)

Franz Schubert

»Antigone und Oedip« D 542 (1817)


für zwei Singstimmen und Klavier

Bruno Meichsner, Bariton
Melanie Dreher, Sopran
Philip Mayers, Klavier

Liedtext

Antigone:

Ihr hohen Himmlischen erhöret
Der Tochter herzentströmtes Flehen:
Laßt einen kühlen Hauch des Trostes
In Oedips große Seele wehn!
Genüget, euren Zorn zu sühnen,
Dies junge Leben – nehmt es hin;
Und euer Rachestrahl vernichte
Die tief betrübte Dulderin.
Demütig falte ich die Hände –
Das Firmament bleibt glatt und rein,
Und stille ist’s, nur laue Lüfte
Durchschauern noch den alten Hain.
Was seufzt und stöhnt der bleiche Vater?
Ich ahn’s – ein furchtbares Gesicht
Verscheucht von ihm den leichten Schlummer;
Er springt vom Rasen auf – er spricht:

Oedip:

Ich träumte einen schweren Traum.
Schwang nicht den Szepter diese Rechte?
Doch Hoheit lös’ten starke Mächte
Dir auf, o Greis, in nicht’gen Schaum.
Trank ich in schönen Tagen nicht
In meiner großen Väter Halle,
Beim Heldensang und Hörnerschalle,
O Helios, dein golden Licht,
Das ich nun nimmer schauen kann?
Zerstörung ruft von allen Seiten:
»Zum Tode sollst du dich bereiten;
Dein irdisch Werk ist abgetan.«

Text: Johann Mayrhofer (1787–1836)

Konstantia Gourzi

»Rezitativ Antigone« (2020)


für Sopran und Klavier

Melanie Dreher, Sopran
Philip Mayers, Klavier

Liedtext Übersetzung

ἀλλ᾽ οὐδὲν αὐτῷ τῶν ἐμῶν μ᾽ εἴργειν μέτα. (48)
οὔτ᾽ ἂν κελεύσαιμ᾽ οὔτ᾽ ἄν, εἰ θέλοις ἔτι (69)
πράσσειν, ἐμοῦ γ᾽ ἂν ἡδέως δρῴης μέτα.
ἀλλ᾽ ἴσθ᾽ ὁποῖά σοι δοκεῖ, κεῖνον δ᾽ ἐγὼ
θάψω· καλόν μοι τοῦτο ποιούσῃ θανεῖν.
φίλη μετ᾽ αὐτοῦ κείσομαι, φίλου μέτα,
ὅσια πανουργήσασ᾽. ἐπεὶ πλείων χρόνος
ὃν δεῖ μ᾽ ἀρέσκειν τοῖς κάτω τῶν ἐνθάδε.
ἐκεῖ γὰρ αἰεὶ κείσομαι· σοὶ δ᾽, εἰ δοκεῖ,
τὰ τῶν θεῶν ἔντιμ᾽ ἀτιμάσασ᾽ ἔχε.

Text: Sophokles, »Antigone«, Vers 48 und 69ff., ca. 442 v. Chr.

Er (Kreon) hat kein Recht von den Meinen mich zu trennen.
Ich knie nicht vor Dir nieder (Ismene). Auch wenn Du Deine Meinung änderst,
freudig werde ich Deine Hilfe nicht annehmen.
Behalte Deine Illusionen. Ich allein werde ihn begraben.
Es gefällt mir, dies zu tun, auch wenn ich sterben werde.
Neben dem Liebenden werde ich als Liebende liegen.
Heilige Schande. Längere Zeit
werden sich die in der Unterwelt über mich freuen, als die Hiesigen.
Denn dort werde ich für immer ruhen. Wenn Du es so willst, verachte
das, was die Götter verehren.

Text: Sophokles, »Antigone«, Vers 48 und 69ff., ca. 442 v. Chr. Übersetzung: Konstantia Gourzi

Claudio Monteverdi

»Lamento d’Arianna« aus der Oper »L’Arianna« (1608/1614)


Madrigalfassung aus dem 6. Madrigalbuch (1614)
für fünfstimmigen Chor und Basso continuo

Rundfunkchor Berlin
Adele Bitter, Violoncello
Bettina Pieck, Cembalo

Liedtext Übersetzung

Prima parte

Lasciatemi morire.
E chi volete voi
che mi conforte
in così dura sorte,
in così gran martire?
Lasciatemi morire.

Seconda parte

O Teseo, o Teseo mio,
si che mio ti vo’ dir
che mio pur sei,
benchè t’involi, ahi crudo,
a gl’occhi miei.
Volgiti Teseo mio,
volgiti Teseo, o Dio,
volgiti indietro a rimirar colei
che lasciato ha per te la patria e’l regno,
e in queste arene ancora,
cibo di fere dispietate e crude
lascerà l’ossa ignude.
O Teseo, o Teseo mio,
se tu sapessi, o Dio,
se tu sapessi, ohimè,
come s’affanna
la povera Arianna;
Forse, forse pentito
rivolgeresti ancor la prora al lito.
Ma con l’aure serene
tu te ne vai felice, ed io qui piango.
A te prepara Atene
liete pompe superbe, ed io rimango,
cibo di fere in solitarie arene.
Te l’uno e l’altro tuo vecchio parente
stringeran lieti, ed io più non vedròvvi,
o madre, o padre mio.

Terza parte

Dove, dov’è la fede
che tanto mi giuravi?
Così nel’alta sede
tu mi ripon degl’ avi?
Son queste le corone
onde m’adorn’ il crine?
Questi gli scettri sono,
queste le gemme e gl’ori?
Lasciarmi in abbandono
a fera che mi stracci e mi divori?
Ah Teseo, ah Teseo mio,
lascerai tu morire
invan piangendo, invan gridando aita
la misera Arianna
ch’a te fidòssi e ti diè gloria e vita?

Quarta ed ultima parte

Ahi, che non pur rispondi,
ahi, che più d’aspe è sordo a miei lamenti!
O nembi, o turbi, o venti
sommergetelo voi dentr’a quell’onde!
Correte orche e balene,
e de le membra immonde
empiete le voragini profonde!
Che parlo, ahi, che vaneggio?
Misera, ohimè, che chieggio?
O Teseo, o Teseo mio,
non son, non son quell’io,
non son quell’io che i feri detti sciolse;
parlò l’affanno mio,
parlò il dolore,
parlò la lingua si ma non già il core.

Text: Ottavio Rinuccini (1563–1621)

Erster Teil

Lasst mich sterben!
Wer, glaubt ihr,
kann mich trösten
Bei so einem harten Schicksal,
bei so großem Leiden?
Lasst mich sterben!

Zweiter Teil

Oh Theseus, oh mein Theseus,
denn mein will ich dich nennen,
dass du noch mein bist,
auch wenn du Grausamer
meinen Augen entfliehst.
Wend’ dich um, mein Theseus,
wend’ dich um, Theseus, oh Gott!
Wende dich um, die anzublicken,
die ihr Land und ihr Königreich verlassen hat,
nur für dich, und die auch an diesen Gestaden ihre blanken Knochen zurücklassen wird als
Speise wilder und gnadenloser Bestien.
Oh Theseus, oh mein Theseus,
wenn du nur wüsstest, oh Gott!
Ach, wüsstest du nur,
wie schrecklich
die arme Ariadne leidet;
dann wendetest du mitleidsvoll den
Bug zur Küste zurück.
Doch mit sanfter Brise fährst du
glücklich davon, während ich hier klage.
Athen bereitet dir freudig und
stolz Empfang, und ich verbleibe
als Beute der Bestien allein am Gestade.
Du wirst freudig deine alten Eltern umarmen.
Aber ich werde Mutter und Vater
nie mehr sehen!

Dritter Teil

Wo, wo ist die Treue,
die du mir so sehr geschworen hast?
So stellst du mich also auf den
erhabenen Thron der Ahnen?
Sind das die Kronen,
mit denen du mein Haar geschmückt?
Sind das die Zepter,
die Edelsteine und das Gold?
Mich so verlassen, dass ein wildes Tier mich zerreißt und verschlingt?
Ach Theseus, ach mein Theseus,
wirst du die elende Ariadne vergeblich weinend, vergeblich um Hilfe schreiend sterben lassen,
die dir vertraute und dir Ruhm und
Leben schenkte?

Vierter und letzter Teil

Ach, dass er nicht antwortet!
Ach, mehr als die Natter ist er taub für meine Klagen!
O Stürme, o Wirbel, o Winde,
ertränkt ihn in diesen Wogen!
Eilt, Ungeheuer und Wale,
und füllt mit den unreinen Gliedern
die tiefen Schlünde!
Was rede ich da? Was verlange ich?
Ach, welche Verwirrung, ich Arme!
O Theseus, mein Theseus,
ich bin nicht selbst jene,
die die wilden Worte schleuderte:
Es sprach mein Leid,
es sprach mein Schmerz,
es sprach die Zunge, ja,
doch nicht das Herz.

Text: Ottavio Rinuccini (1563–1621)

Pause

ca. 20 Minuten

Johannes Brahms

»Nänie« op. 82 (1880)


für Chor und Klavier zu vier Händen

Rundfunkchor Berlin
Philip Mayers, Klavier
Nico Köhs, Klavier

Liedtext

Auch das Schöne muss sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.

Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wenn er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.

Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe, da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Dass das Schöne vergeht, dass das Vollkommene stirbt.

Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten, ist herrlich,
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

Text: Friedrich Schiller (1759–1805), »Nänie« (1800)

Aristea Mellos

»Athena« (2013, rev. 2020)


für Singstimme, Violoncello und Klavier

Hyewon Ju, Sopran
Adele Bitter, Violioncello
Philip Mayers, Klavier

Liedtext Übersetzung

I had not known it, but I lived
inside my mother’s head – her face God-like,
white, a cast. Neck coiled in a snake,
ready to strike. My own eyes
slits beneath the heavy chalked lids.
How did I come then,
to haul myself up the scaffolding she’d left,
fist after fist, to crawl and stretch –
the glowing oval of her mind
hanging like a moon above me.
I cracked the crown –
pressed out and through, black bird
singing in my chest,
no light, no breath, my voice
still clinging to her lips.

Text: Emily Kendal Frey, 2013

Ich wusste’s nicht, doch lebt’ ich
in meiner Mutter Kopf – ihr Antlitz gottgleich,
weiß, ein Abguss. Hals zur Schlange gewunden,
zum Angriff bereit. Meine eigenen Augen
Schlitze unter schweren, kreideweißen Lidern.
Wie kam’s dann, dass ich mich hochhievte an dem Gerüst, das sie hinterlassen hatte,
Faust an Faust, und kroch und streckte –
und das leuchtende Oval ihres Geistes
wie ein Mond über mir hing.
Ich sprengte die Krone –
drückte hinaus und hindurch, ein schwarzer Vogel
sang in meiner Brust,
kein Licht, kein Atem, meine Stimme
klammerte sich noch immer an ihre Lippen.

Text: Emily Kendal Frey, 2013

Karol Szymanowski

»La fontaine d’Aréthuse« (1915)


aus »Mythen« – Drei Poeme für Violine und Klavier op. 30

Marina Grauman, Violine
Philip Mayers, Klavier

Karol Szymanowski

»Demeter« op. 37bis (1917–1924)


Kantate für Alt, Frauenchor und Orchester,
bearbeitet für Violine und Klavier zu 4 Händen von Philip Mayers

Roksolana Chraniuk, Alt
Rundfunkchor Berlin
Marina Grauman, Violine
Philip Mayers, Klavier
Nico Köhs, Klavier

Liedtext Übersetzung

Slońce na mrocznym szafirze niebiosów kona;
I pelznie szara mroku pleśń.
Wiatr cichą, załzawioną bólem pieśń
Gra na zwichrzonych strunach moich włosów.

Pokorna bólem, idę w poniewierce śladami dziecka!
Już do swych gniazd wracają ptaki.
Zimne oczy gwiazd patrzą w me biedne okrwawione serce!

A!

W mroku mię płacz twój doleciał, dziecino,
Idę więc, idę w pustkę wycie/agnąwszy dłonie!
I pustkę tulę na zmartwiałym łonie!

Morze szlochem w dal uderza siną.
Wstępuję w Nocy bezgłośną Nirwanę.
Gdzie jeno serce dzwoni, serce łzami szklane.

Text: Zofia Grzybowska-Szymanowska (1898–1946)

Die Sonne versinkt im himmlischen Blau,
der graue Schleier der Dämmerung legt sich über alles,
der Wind spielt ein leises Lied, schrecklich schmerzhaft,
in den verworrenen Strähnen meines Haares.

Schmerzlich gedemütigt folge ich den Schritten eines Kindes,
die Vögel kehren in ihre Nester zurück,
und die eisigen Augen der Sterne
blicken in mein elendes, blutbeflecktes Herz.

A!

Ich hörte dein Schluchzen in der Dunkelheit,
also laufe ich weiter, strecke meine Arme in die Leere,
umarme die Leere an meinem geschrumpften Leib.

Die Klage des Meeres durchbricht die rote Stille,
ich trete ein in das stille Nirwana der Nacht,
wo das Herz schlägt, glitzernd vor Tränen.

Text: Zofia Grzybowska-Szymanowska (1898–1946)

Benny Andersson / Björn Ulvaeus

»Cassandra« (1982)


bearbeitet für Bariton, Chor und Klavier von Philip Mayers

Bruno Meichsner, Bariton
Rundfunkchor Berlin
Philip Mayers, Klavier

Liedtext Übersetzung

Down in the street they’re all singing and shouting,
Staying alive though the city is dead;
Hiding their shame behind hollow laughter
While you are crying alone in your bed.
Pity, Cassandra, that no one believed you
But, then again, you were lost from the start;
Now we must suffer and sell our secrets,
Bargain, playing smart, aching in our hearts.

Sorry Cassandra, we misunderstood,
Now the last days are dawning.
Some of us wanted, but none of us would
Listen to words of warning.
But on the darkest of nights
Nobody knew how to fight,
And we were caught in our sleep. Ah …
Sorry Cassandra, I didn’t believe
You really had the power;
We only saw it as dreams you would weave
Until the final hour.

So in the morning your ship will be sailing,
Now that your father and sister are gone
There is no reason for you to linger,
You’re grieving deeply, but still moving on.
You know the future is casting a shadow. [Doom]
No one else sees it, but you know your fate.
Packing your bags, being slow and thorough
Knowing, though you’re late, that ship is sure to wait.

Sorry Cassandra, we misunderstood,

I watched the ship leaving harbour at sunrise,
Sails almost slack in the cool morning rain.
She stood on deck, just a tiny figure,
Rigid and restrained, blue eyes filled with pain.

Sorry Cassandra, we misunderstood,

Text: Benny Andersson und Björn Ulvaeus

Unten auf der Straße, da singen und schrei’n sie,
sind ganz lebendig, auch wenn die Stadt stirbt;
verbergen die Scham hinter hohlem Gelächter,
während du allein in deinem Bett weinst.
Schade, Kassandra, dass niemand dir glaubte,
standest sogleich auf verlorenem Posten;
Nun leiden wir und verkaufen’s Geheimnis,
wir feilschen, tun clever, doch unser Herz schmerzt.

Sorry, Kassandra, wir verstanden es falsch,
nun bricht die letzte Stunde uns an.
Manche, die wollten, doch keiner hat wirklich
gehört auf die warnenden Worte.
Doch in der dunkelsten Nacht
wusst’ niemand, wie man es macht,
Und wir wurden im Schlaf überrascht. Ach …
Sorry, Kassandra, ich hab nicht geglaubt,
Dass du wirklich die Macht hattest;
Wir hielten es nur für Träume, die du
bis zur letzten Stunde uns spannst.

Morgen früh wird dein Schiff Segel setzen,
nun, da Vater und Schwester sind tot.
Es gibt keinen Grund mehr, noch länger zu bleiben,
du trauerst zwar tief, und schaust doch nach vorn.
Du weißt: die Zukunft, sie wirft einen Schatten [Untergang]
Niemand sonst sieht ihn, doch du kennst dein Schicksal.
Packst deine Koffer, langsam und gründlich,
weißt, dass das Schiff trotzdem auf dich wartet.

Sorry, Kassandra, wir verstanden es falsch,

Ich sah das Schiff dann beim ersten Licht fahren,
die Segel fast schlaff beim Morgenschauer.
Sie stand an Deck, eine kleine Gestalt,
gerad’ und beherrscht, die Augen voll Trauer.

Sorry, Kassandra, wir verstanden es falsch,

Text: Benny Andersson und Björn Ulvaeus

Tara-Louise Wittwer, Gesprächsgast

Tara-Louise Wittwer alias »wastarasagt« ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin, SPIEGEL-Kolumnistin und Content Creatorin und lebt in Berlin. Auf ihren Social-Media-Plattformen setzt sie sich mit feministischen Themen auseinander und beleuchtet insbesondere, wie Popkultur und Medien unser Selbstbild prägen. Dabei spricht sie über internalisierte Misogynie und die fortlaufende Reproduktion tradierter Rollenbilder. Mit ihrem erfolgreichen TikTok-Format »TikToxic« analysiert und entlarvt sie frauenfeindliche Inhalte im Netz. Mit ihren Büchern »Sorry, aber…« und »Nemesis’ Töchter«, die beide die #1 der SPIEGEL-Bestsellerliste erreichten, etablierte sie sich unlängst auch als erfolgreiche Autorin. Mit ihren letzten drei Erfolgsbüchern ging sie zudem auf ausverkaufte Touren durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Katharina Wesselmann, Gesprächsgast

Katharina Wesselmann ist Professorin für Klassische Philologie an der Universität Potsdam. Nach dem Studium der Griechischen und Lateinischen Philologie sowie der Kunstwissenschaft in Tübingen, Köln und Basel absolvierte sie zunächst die schweizerische Lehramtsausbildung (2008), während sie ihre Promotion über »Mythische Erzählstrukturen in Herodots Historien« verfasste (2010). Während ihrer Tätigkeit als Griechisch- und Lateinlehrerin an verschiedenen Basler Schulen habilitierte sie sich im Rahmen des Basler Ilias-Kommentars mit einem Beitrag zum 7. Gesang der homerischen Ilias (2018). 2019 nahm sie die Professur für Fachdidaktik der Alten Sprachen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an; 2023 wechselte sie an die Universität Potsdam. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der griechischen Historiographie und Epik sowie der Gender Studies, der Fachdidaktik der Alten Sprachen und der Geschichte und gesellschaftlichen Konnotationen der Fächer Latein und Griechisch.

Tessniem Kadiri, Moderatorin

Tessniem Kadiri, gebürtige Pott-Deutsche mit marokkanischem Migrationsvordergrund, hat bereits als Jugendliche angefangen, journalistisch zu arbeiten. Heute ist sie u. a. als Reporterin und Moderatorin des renommierten Weltspiegels (ARD), der gesellschaftspolitischen Sendung neuneinhalb (ARD) und als Autorin und Host für den WDR Newsroom tätig. Außerdem moderiert sie das FUNK-Auslandsformat ATLAS welches gerade mit dem Grimme Award 2025 ausgezeichnet wurde. Sie schreibt Artikel, Kolumnen und gibt Workshops. 2024 wurde sie vom medium magazin unter die 30 besten Journalist:innen bis 30 gewählt.

Radioübertragung

Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und am 9. Juli 2026 um 20 Uhr gesendet.

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Heimathafen Neukölln

Der Heimathafen Neukölln ist seit 2009 ein etablierter Ort für kulturelle Veranstaltungen in Berlin. Von Theateraufführungen über Konzerte bis hin zu politischen Debatten bietet das Haus im Herzen von Neukölln dem Publikum ein vielseitiges Programm. Der einst von einem Kollektiv aus zehn Frauen gegründete Heimathafen begreift sich selbst als "Untersuchungsraum" für die unterschiedlichsten Formate. Damit ist er der ideale Ort für unsere RundfunkchorLounges, die nicht nur mit überraschenden musikalische Elementen begeistern, sondern darüber hinaus auch Raum für anregende Gespräche bieten.

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