»Remember not, Lord, Our Offences« Z50 (1679–81)
Anthem für fünfstimmigen Chor und Basso continuo
Die Schola ist etablierter Teil unserer Förderprogramme für den ambitionierten und professionellen Chornachwuchs: Im Rahmen eines zweiwöchigen Intensivkurses erhalten jede Saison bis zu 30 Gesangsstudierende Einblick in die professionelle chorsinfonische Arbeit. Dabei erarbeiten sie zusammen mit dem Runfunkchor Berlin in diesem Jahr gleich vier Werke: »Du fond de l’abîme« von Lili Boulanger, die »Psalmensinfonie« von Igor Strawinsky und Leonard Bernsteins »Chichester Psalms«, welche dann am 9. und 10. Oktober zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin in der Philharmonie aufgeführt werden.
Aber bereits vorab, am 4. Oktober, stellen die Teilnehmer:innen der Schola in einem eigenen Konzert ihre Fähigkeiten in der Heilig-Kreuz-Kirche unter Beweis. Wie in jeder Saison laden wir Sie auch dieses Mal wieder zu einem Teatime-Konzert ein. Die Schola-Teilnehmer:innen werden dort unter der Leitung von Nico Köhs und mit tatkräftiger Unterstützung einiger Mitglieder:innen des Chores ein eigens erarbeitetes Programm zum Besten geben. Kommen Sie vorbei – und erleben Sie heute schon die professionellen Sänger:innen von morgen.
Remember not, Lord, our offences,
Nor th’ offences of our forefathers;
Neither take thou vengeance of our sins,
But spare us, good Lord.
Spare thy people, whom thou hast redeem’d
With thy most precious blood,
And be not angry with us for ever.
Spare us, good Lord.
Text: Litanei aus dem »Common Book of Prayer« (1788)
Gedenke nicht, Herr, unserer Vergehen
noch der Missetaten unserer Väter.
Nimm auch nicht Rache für unsere Sünden,
sondern verschone uns, gütiger Gott.
Verschone dein Volk, das du mit deinem
kostbaren Blut erlöst hast,
und zürne uns nicht für alle Ewigkeit.
Verschone uns, gütiger Herr!
Text: Litanei aus dem »Common Book of Prayer« (1788)
Unser Wandel ist im Himmel,
von dannen wir auch warten des Heilands, Jesu Christi,
des Herren, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird,
dass er ähnlich werde seinem verklärten Leibe,
nach der Wirkung, damit er kann auch alle Ding
ihm untertänig machen.
Text: Bibel, Philipperbrief 3,20–21
Take him, earth, for cherishing,
To thy tender breast receive him.
Body of a man I bring thee,
Noble even in its ruin.
Once was this a spirit’s dwelling,
By the breath of God created.
High the heart that here was beating,
Christ the prince of all its living.
Guard him well, the dead I give thee,
Not unmindful of his creature
Shall he ask it: he who made it
Symbol of his mystery.
Take him, earth, for cherishing.
Comes the hour God hath appointed
To fulfil the hope of men,
Then must thou, in very fashion,
What I give, return again.
Take him, earth, for cherishing.
Body of a man I bring thee.
Not though ancient time decaying
Wear away these bones to sand,
Ashes that a man might measure
In the hollow of his hand:
Not though wandering winds and idle,
Drifting through the empty sky,
Scatter dust was nerve and sinew,
Is it given to man to die.
Once again the shining road
Leads to ample Paradise;
Open are the woods again,
That the serpent lost for men.
Take, O take him, mighty leader,
Take again thy servant’s soul.
Grave his name, and pour the fragrant
Balm upon the icy stone.
Take him, earth, for cherishing,
To thy tender breast receive him.
Body of a man I bring thee,
Noble even in its ruin.
By the breath of God created.
Christ the prince of all its living.
Take, O take him,
Take him, earth, for cherishing,
Text aus: Aurelius Prudentius Clemens, »Hymnus circa Exequias Defuncti«, ca. 400 n. Chr., englische Nachdichtung von Helen Waddell
Erde, nimm ihn auf, bewahr’ ihn,
birg ihn an der zärtlich Brust.
Ich bringe dir den Leib eines Menschen,
edel selbst noch im Verfall.
Einst war dies der Seel’ Behausung,
vom Atem Gottes eingehaucht,
erhaben war das Herz, das schlug, und
Christ war allen Lebens Fürst.
Behüt’ den Toten, den ich bringe,
und vergiss nicht seine Schöpfung.
Sollt’ er fragen: Der ihn schuf,
tat’s als Zeichen seines Mysteriums.
Erde, nimm ihn auf, bewahr’ ihn.
Kommt die Stund’, die Gott bestimmte,
Menschen-Hoffnung zu erfüll’n,
dann musst du, wie es geboten,
was ich gab zurück mir geben.
Erde, nimm ihn auf, bewahr’ ihn.
Ich bringe dir den Leib eines Menschen.
Nicht mal in den langen Zeiten,
wenn die Knochen werden Staub,
werden Asche, die man messen
könnt’ in seiner hohlen Hand:
Nicht mal wenn die Winde wandern,
treiben übers Firmament,
zu Staub verstreu’n, was einst mal lebte,
ist dem Mensch’ vergönnt sein End’.
Einmal wieder führt der Weg
strahlend hell ins Paradies;
offen sind die Wälder wieder,
die die Schlange einst verschloss.
Nimm, oh nimm ihn, mächt’ger Herrscher,
nimm erneut des Dieners Seele.
Ritz den Namen, und dann gieße
Balsam auf den eis’gen Stein.
Nimm ihn, Erde, auf, bewahr’ ihn,
birg ihn an dein’ zärtlich Brust. Ich
bringe dir den Leib eines Menschen,
edel selbst in seinem Verfall.
Geschaffen durch den Atem Gottes.
Christus allen Lebens Fürst.
Nimm, oh nimm ihn,
nimm ihn, Erde, auf, bewahr’ ihn.
Text aus: Aurelius Prudentius Clemens, »Hymnus circa Exequias Defuncti«, ca. 400 n. Chr., englische Nachdichtung von Helen Waddell
Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen
und tragen edlen Samen
und kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben.
Text: Bibel, Psalm 126,5–6
Warum toben die Heiden,
und die Leute reden so vergeblich?
Die Könige im Lande lehnen sich auf,
und die Herren ratschlagen miteinander
wider den Herrn und seinen Gesalbten?
»Lasst uns zerreißen ihre Bande
und von uns werfen ihre Seile!«
Aber der im Himmel wohnet, lachet ihrer,
und der Herr spottet ihrer.
Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn,
und mit seinem Grimm wird er sie schrecken:
»Aber ich habe meinen König eingesetzt
auf meinem heiligen Berge Zion.«
Ich will von einer solchen Weise predigen,
dass der Herr zu mir gesagt hat: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget.
Heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben
und der Welt Ende zum Eigentum.
Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen,
wie Töpfe sollst du sie zerbrechen.«
So lasset euch nun weisen, ihr Könige,
und lasst euch züchtigen, ihr Richter auf Erden!
Dienet dem Herrn mit Furcht
und freuet euch mit Zittern!
Küsset den Sohn, dass er nicht zürne
und ihr umkommet auf dem Wege;
denn sein Zorn wird bald anbrennen.
Aber wohl allen, die auf ihn trauen!
Ehre sei dem Vater und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste.
Wie es war von Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
Text: Bibel, Psalm 2
Faire is the heaven where happy soules have place.
In full enjoyment of felicitie;
Whence they doe still behold the glorious face
Of the Divine, Eternall Majestie;
Yet farre more faire be those bright Cherubins
Which all with golden wings are overdight.
And those eternall burning Seraphins
Which from their faces dart out fiery light;
Yet fairer than they both and much more bright
Be th’ Angels and Archangels
Which attend on God’s owne person
Without rest or end.
These then in faire each other farre excelling
As to the Highest they approach more neare.
Yet is that Highest farre beyond all telling.
Fairer than all the rest which there appeare.
Though all their beauties joynd together were;
How then can mortal tongue hope to expresse
The image of such endlesse perfectnesse?
Text aus: Edmund Spenser, »An Hymne in Honour of Heavenly Beautie« (1596)
Schön ist der Himmel, in dem Platz ist für freudige Seelen;
in vollkommener Glückseligkeit;
von dort aus erschauen sie das herrliche Antlitz
der göttlichen, ewigen Majestät;
doch weit schöner sind jene leuchtenden Cherubim,
die geschmückt sind mit goldenen Flügeln.
Und jene ewig brennenden Seraphim,
aus deren Gesichtern feuriges Licht erstrahlt;
Und noch schöner als diese beiden und viel strahlender
sind die Engel und Erzengel,
die Gott selbst dienen,
ohne Rast und ohne Ende.
Diese übertreffen sich dann in ihrer Schönheit noch mehr,
je näher sie dem Höchsten kommen.
Doch dieser Höchste ist weit jenseits aller Vorstellungskraft.
Schöner als alles andere, was dort zu sehen ist.
Selbst wenn all ihre Schönheiten vereint wären;
wie könnte dann eine sterbliche Zunge hoffen,
das Bild solch unendlicher Vollkommenheit zu beschreiben?
Text aus: Edmund Spenser, »An Hymne in Honour of Heavenly Beautie« (1596)
In paradisum
in tuo adventu suscipiant te martyres,
in paradisum
et perducant te in civitatem sanctam Ierusalem.
Chorus angelorum te suscipiat,
et cum Lazaro, quondam paupere,
æternam habeas requiem.
Text aus: Antiphon »In paradisum« (mind. 8. Jh), später Teil der Sterbe- oder Begräbnisliturgie
Im Paradies
mögen bei deiner Ankunft die Märtyrer dich empfangen,
im Paradies
und dich führen in die heilige Stadt Jerusalem.
Der Chor der Engel möge dich empfangen,
und mit Lazarus, dem einst armen,
mögest du ewige Ruhe haben.
Text aus: Antiphon »In paradisum« (mind. 8. Jh), später Teil der Sterbe- oder Begräbnisliturgie
Selig sind die Toten,
die in dem Herren sterben, von nun an.
Ja, der Geist spricht:
Sie ruhen von ihrer Arbeit,
und ihre Werke folgen ihnen nach.
Text: Bibel, Offenbarung des Johannes 14, 13
Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und am 29. Oktober um 20 Uhr ausgestrahlt.
Die zwischen 1885 und 1888 in gotischen Formen erbaute evangelische Heilig-Kreuz-Kirche wurde 1995 für eine kirchliche wie auch weltliche Nutzung umfassend saniert und umgebaut. Die lichtdurchflutete Backsteinkirche mit flexiblen Stahl-Glas-Umbauten und variabler Bestuhlung kann mit bis zu rund 430 Teilnehmenden vielfältig genutzt werden, für Konzerte, Präsentationen, Tagungen, Empfänge und Galas. Seit mehreren Jahren ist die Heilig-Kreuz-Kirche fester Veranstaltungsort für die Schola des Rundfunkchores Berlin. Die Kirche ist zentral gelegen in Kreuzberg am Blücherplatz nahe der Amerika-Gedenkbibliothek und dem Potsdamer Platz.
Heilig-Kreuz-Kirche Berlin
Zossener Straße 65
10961 Berlin
Deutschland
© David Marschalsky
Die Akademist:innen des Rundfunkchores Berlin kommen gemeinsam mit Gesangstudierenden deutscher Hochschulen zusammen, um intensiv im Ensemble vokale Kammermusik zu proben. Am Ende dieser Arbeitsphase präsentiert sich die Schola im Abschlusskonzert mit einem anspruchsvollen kammermusikalischen Programm.
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