Auf ein Wort mit Sascha Glintenkamp

Sascha Glintenkamp übernahm beim Weihnachtskonzert am 22. Dezember 2016 im Berliner Dom die Rolle des Sprechers in Arthur Honeggers »Le Roi David«. Seit 2008 ist er als Bass Mitglied des Rundfunkchores Berlin, wo er sich in Kammermusikabenden ebenso wie bei der Education-Initiative SING! engagiert.

Warum haben Sie die Sprechrolle im »König David« übernommen?

Das Schöne an einer Sprechrolle ist, dass man nicht singen muss. (lacht) Man muss nicht auf einen vorgegebenen Rhythmus und die Intonation achten. Natürlich gibt es Stücke, bei denen Rhythmus und Tonhöhe auch für den Sprecher notiert sind, aber das ist hier nicht der Fall. Hier bin ich frei, und das ist eine ganz andere Herangehensweise. Bei manchen Passagen weiß ich genau, wie ich sie sprechen werde, aber vieles entwickelt sich aus dem Moment heraus, das hat viel Improvisatorisches. Und es hat auch etwas mit Schauspielerei zu tun. Auch wenn es keine »eigentliche Rolle« ist, die man spielt, muss man sich in den Autor hineinversetzen. Man kann etwas »aus sich heraustreten« und jemand anderen zu Wort kommen lassen.

Ist jeder Sänger ein guter Sprecher?

Zumindest haben Sänger einen Vorteil, was die Resonanz der Stimme betrifft, was die Ausdrucksmöglichkeiten und den Stimmklang angeht.

Was ist reizvoll an genau dieser Rolle?

Das Stück schildert einzelne Stationen aus dem Leben des Königs David, und meine Funktion ist es, die Überleitungen zu sprechen und seinen Werdegang nachzuzeichnen. Das Stück ist zwar chronologisch aufgebaut, aber man sieht eben immer nur Ausschnitte aus seinem Leben. Meist kommt ein Stück Musik, dann spreche ich ein paar Sätze, dann folgt wieder Musik. Aber es gibt auch melodram-artige Stücke, bei denen ich über der Musik spreche.

Ist das Sänger-Sein im Rundfunkchor Berlin ein Traumberuf?

Ja. Ich singe wirklich sehr gerne – nicht jeden Tag gleich gern, aber es ist einfach sehr erfüllend. Und ich habe so viele tolle Momente in meinen bisherigen acht Jahren im Rundfunkchor Berlin erlebt, die ich in einem anderen Lebensentwurf nicht hätte erfahren können. Auch nicht als Solist. Wenn man merkt, dass alle am selben Strang ziehen, in die gleiche Richtung, wobei es aber nicht um Kraft geht, sondern darum, etwas Schönes zu schaffen – das ist ein Gefühl, das mich sehr glücklich macht. Natürlich muss man sich im Chor etwas zurücknehmen, aber gleichzeitig arbeitet man immer mit den Nachbarn, dem Dirigenten, den Musikern zusammen, und dieser Austausch funktioniert ohne Worte. Man muss immer drauf achten, was der andere macht, man nimmt auf, was um einen herum passiert, klinkt sich ein und kann das in gewissem Maße auch steuern. Diese Art von Arbeit finde ich ganz toll.

Haben Sie ein Ritual vor dem Auftritt?

Nicht wirklich. Wenn wir szenisch arbeiten wie beim »human requiem« erkunde ich vorher immer den Raum. Ein Gefühl für den Raum zu bekommen, wie er klingt, wie er sich anfühlt – das ist für mich ein ganz wichtiger Schritt in der Vorbereitung.

Welche Musik hören Sie privat?

Ich höre selten Musik, das bringt der Beruf mit sich. Wenn man täglich ein paar Stunden Musik macht, ist man nicht mehr so wahnsinnig aufnahmebereit. Aber wenn, dann höre ich ganz Verschiedenes. Momentan viel Jazz-Fusion-Funk, das mag ich sehr gern. Ich höre oft Musik ohne Gesang, wenn ich so darüber nachdenke, das ist für mich entspannter, da muss ich mich nicht auf den Text konzentrieren.

 

Das Gespräch führte Arnt Cobbers.