Auf ein Wort mit Sabine Eyer

Die Altistin Sabine Eyer wurde 2011 als festes Mitglied im Rundfunkchor Berlin aufgenommen und ist Mentorin in der Chorakademie.

Warum engagieren Sie sich bei der Akademie?

Das ist eine spannende Aufgabe. Als ich gefragt wurde, ob ich Mentorin werden möchte, konnte ich mich noch gut an meine eigene Zeit als Neuling im Rundfunkchor Berlin erinnern. Ich fand es interessant, all das, was mir damals beigebracht worden ist, jetzt selbst weitergeben zu können, mit den jungen Sängern zu arbeiten, ihnen unseren Beruf zu zeigen und sie an die Arbeit in einem Rundfunkchor heranzuführen. Die Idee der Akademie ist ja, Gesangsstudenten für ein halbes Jahr in den Chor zu integrieren.

Was lernt man in der Akademie, was man im Studium nicht lernt?

Man muss zwar auch mal im Hochschulchor singen, aber man wird im Studium auf eine Solokarriere vorbereitet; Chorsingen als Berufsbild taucht in der Hochschule praktisch nicht auf. Und dieses Problem wollen wir mit der Akademie beim Schopfe packen und den Studenten zeigen: Es gibt nicht nur das Musiktheater, sondern auch eine ganz andere Welt, in der man singen kann.

Was machen Sie als Mentorin?

Wir haben im Idealfall eine Akademistin bzw. einen Akademisten pro Stimmgruppe, ich betreue die Alt-Akademistin. Wir sitzen in den Proben nebeneinander, so kann ich direkt eingreifen, wenn etwas schiefgeht. Ich kann auch Fragen, die auftauchen, beantworten. Bei Bedarf sprechen wir die Werke, die einstudiert werden, vor der Probenphase durch. Ich mache sie auf Schwierigkeiten im Stück aufmerksam und gebe ihr Tipps, worauf man achten muss, woran man sich orientieren kann usw.. Aufgrund der Vielzahl an Werken, die wir als Rundfunkchorsänger in einer Saison aufführen, steht für die Einstudierung jedes einzelnen Werks meist wenig Zeit zur Verfügung, da muss das Vom-Blatt-Singen schnell gelernt werden. Meine Idee der Arbeit als Mentorin ist es, meiner jeweiligen Akademistin soviel Einblick wie möglich in das Schaffen des Rundfunkchores Berlinzu bieten und ihr möglichst viel für sich mitzugeben.

Geht das Konzept auf?

Auf jeden Fall. Meine erste Akademistin hat inzwischen mit Freunden ein A-cappella-Ensemble gegründet, wo sie ihre Liebe zum Ensemblegesang ausleben kann. Eine ehemalige Sopranakademistin ist inzwischen festes Mitglied des MDR-Chores, eine andere singt als freie Mitarbeiterin in mehreren Rundfunkchören. Eine meiner ehemaligen Akademistinnen hilft regelmäßig bei uns aus, eine andere ist als Solistin gut im Geschäft. Und ich freue mich darauf, zu beobachten, wie meine jetzige Akademistin ihren Weg gehen wird.

Für wen ist die Akademie interessant?

Für Gesangsstudierende im Hauptstudium. Die Akademisten müssen bereits ein gewisses Level an gefestigter Technik haben, weil sie jeden Tag voll in die Probenarbeit miteinsteigen – und unser Beruf ist technisch gesehen durchaus anspruchsvoll. Erfahrung im Ensemblesingen ist gut und hilfreich, aber wir sind ja als Mentoren auch da, um da helfend unter die Arme zu greifen.

 

Wie ist bei Ihnen der Wunsch entstanden, Chorsängerin zu werden?

Ich hab schon immer viel im Chor gesungen, im Kinderchor, im Kirchenchor, im Theater. Später war ich mit Gastverträgen am Theater beschäftigt, war dort fürchterlich unglücklich und habe dann genau in der Zeit den Rundfunkchor Berlin gehört – und mir war klar: Das will ich machen.

Auch wenn es fordernd ist – ist es ein Traumberuf?

Absolut! Wir dürfen mit tollen Orchestern, großartigen Dirigenten und hervorragenden Solisten Musik machen und bekommen etwas von der Welt zu sehen. Auch wenn es mitunter kräftezehrend ist, ich kann mir nichts anderes vorstellen, als zu singen. Diese Liebe zum Ensemblesingen zu vermitteln, gehört für mich auch zu meiner Aufgabe als Mentorin in der Akademie.

Wenn Sie Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben, womit verbringen Sie denn dann Ihre freie Zeit?

Wann immer es möglich ist, fliege ich zu meinen Freunden und meinem Patenkind nach Oslo oder auch zu Freunden nach Wien, oder besuche meine Familie. Ansonsten habe ich ein kleines Haus, das noch viel Arbeit erfordert.

Welche Musik hören Sie privat am liebsten?

In meinem Elternhaus bin ich mit klassischer Musik aufgewachsen und dabei geblieben, auch wenn in der Zwischenzeit einiges andere dazugekommen ist.
Daheim habe ich auch gern einfach Stille um mich. Wenn ich etwas höre, dann ist je nach Stimmung vom Lied über Songwriter bis zur Oper alles dabei. Auch wenn ich inzwischen von der Oper recht weit entfernt bin, sie ist immerhin der Grund, weshalb ich unbedingt Sängerin werden wollte.

 

Das Gespräch führte Arnt Cobbers.