Auf ein Wort mit Peter Ewald

Seit 2011 ist Tenor Peter Ewald festes Mitglied im Rundfunkchor Berlin. Der Heavy Metal-Fan freut sich auf die besonderen Herausforderungen des kammermusikalischen Gesangs in der kommenden RundfunkchorLounge am 22. November 2017.

In der RundfunkchorLounge dreht sich alles um das Thema »Beruf und Berufung«. Wollten Sie von klein auf Sänger werden oder gab es auch andere Berufswünsche? Wie sind Sie zum Beruf des Sängers gekommen?

Mein allererster Berufswunsch war – neben Elektriker, dem Beruf meines Vaters – Pfarrer. Ich wollte also nicht von klein auf Sänger werden. Aber das Singen hat seit meinem zwölften Lebensjahr, seit ich im Kirchenchor gesungen habe, immer eine große Rolle gespielt. Seit meinem fünften Lebensjahr spiele ich Klavier und ich erhielt während des Abiturs in einer kirchlichen Ausbildungsstätte in Potsdam sehr intensiv Orgelunterricht. Eigentlich wollte ich ja Theologie studieren, doch mein Lehrer fragte mich damals: »Willst du nicht Kirchenmusiker werden? Das würde doch besser passen!« Da habe ich mich umentschieden. Ich studierte in Halle an der Saale Kirchenmusik und hatte dort einen sehr guten Gesangslehrer: Olaf Schöder, ohne den ich wahrscheinlich nie Sänger beim Rundfunkchor Berlin geworden wäre.

Nachdem ich nach dem Studium meine Stelle als Kirchenmusiker im Spreewald angetreten hatte, merkte ich, dass meine Gesangsfähigkeiten allmählich einrosteten. Deshalb habe ich in den 1990er-Jahren nochmal ein dreijähriges Fernstudium im Fach Gesang in Halle gemacht. Mein Lehrer Olaf Schöder, der mich bereits während meines ersten Studiums in Halle unterrichtet hatte, empfahl mir schließlich, mich als Aushilfe beim Rundfunkchor Berlin vorzustellen. 2001 wurde ich als Aushilfe angenommen und war seitdem regelmäßig bei Projekten dabei. Als sich 2011 die Chance ergab, für eine feste Stelle vorzusingen, habe ich diese ergriffen – und es hat geklappt!

Ist das Singen im Rundfunkchor Berlin für Sie Beruf oder Berufung? Ist es ein Traumberuf?

Es ist auf jeden Fall ein Traumberuf. Was man in den Konzerten mit so bedeutenden Dirigenten erleben kann, ist einfach faszinierend. Hinzu kommt: Singen tut der Seele und dem Körper gut, so empfinde ich es jedenfalls. Wenn man das als Berufssänger jeden Tag in der Probe oder im Konzert erleben darf, ist das ein großes Glück und ein schöner Nebeneffekt.

Im Rundfunkchor Berlin engagieren Sie sich auch im Education-Bereich, u.a. besuchen Sie die Schulchöre, die an der Liederbörse teilnehmen. Interessieren sich die jungen Menschen für den Beruf des Chorsängers?

So, wie ich es mitbekomme, spielt es für die wenigsten eine Rolle. Was ich aber beachtenswert finde: Die Chöre, mit denen ich in Berlin zu tun habe, treffen sich ja außerhalb des Unterrichts in der Freizeit. Ich gehe meist in die höheren Klassen, 10. bis 12. Klasse. Hier gibt es einen guten Zulauf. Dass sogar die Jungs mitmachen, finde ich schon sehr erstaunlich. In meiner alten Heimatstadt Lübben gibt es einen Männerchor, den ich seit 25 Jahren leite. Mit Nachwuchs sieht es hier ganz schlecht aus, weil dort einfach nicht mehr gesungen wird. Deshalb finde ich meine Erfahrungen mit der Liederbörse umso erstaunlicher. Die Schulchöre, die an der Liederbörse teilnehmen, werden häufig von Frauen geleitet. Sie freuen sich, dass endlich mal ein Mann mit den jungen Männern singen kann. Und auch die Jungs freuen sich, dass mal ein Mann mit ihnen singt. Denn es bringt etwas: Selbst in den drei Stunden, die wir miteinander arbeiten, lernen sie ihre Stimme anders kennen und entdecken Fähigkeiten, von denen sie vorher nicht wussten, dass sie sie hatten.

In der RundfunkchorLounge singen Sie mit Kollegen in einem neunköpfigen Männerchor Werke von Mendelssohn Bartholdy. Singen Sie in dieser Formation das erste Mal? Was reizt Sie an der Kammermusik?

Ja, die Gruppe wurde für diese RundfunkchorLounge ausgewählt. Reizvoll ist, dass jede Stimme nur zweifach besetzt ist. Man ist also solistisch gefordert, trägt aber nicht allein die Verantwortung. Es ist ein geschützter solistischer Raum, würde ich es mal nennen. Das ist reizvoll.

Wenn Sie das Singen zum Beruf gemacht haben: Was tun Sie dann in Ihrer Freizeit?

Ich habe mit meiner Frau vor einem Jahr ein Häuschen mit 3000 Quadratmetern Land gekauft, das mal unser Wohnsitz werden soll. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Außerdem bin ich immer noch in der Gemeinde tätig, in der ich früher Kirchenmusiker war. Ich leite hier den Kirchenchor und den Posaunenchor. Ab und zu spiele ich auch noch Orgel im Gottesdienst.

Welche Musik hören Sie privat?

Heavy Metal. Ich gehe des Öfteren auf Konzerte und fahre seit zehn Jahren jedes Jahr nach Wacken.

Was sollte man in dieser Saison nicht verpassen?

Ich freue mich immer auf die außergewöhnlichen, szenischen Projekte. Das Gastspiel mit dem »human requiem« in Australien im März ist doppeltes Glück! Denn dieses Stück macht mir unheimlich viel Spaß – und in Australien war ich noch nie.

 

Das Gespräch führte Arnt Cobbers