Auf ein Wort mit Benjamin Goodson

Seit Beginn der Saison 2016/17 ist Benjamin Goodson Assistent des Chefdirigenten des Rundfunkchores Berlin. Als solcher betreut er die Schola und erarbeitet mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein anspruchsvolles A-cappella-Programm.

Was ist die Idee der Schola? An wen richtet sich das Projekt?

Wer Sänger werden möchte, muss an der Hochschule Sologesang studieren. Dieses Studium bereitet die Studenten jedoch nicht auf eine Karriere in einem Profichor vor, denn diese erfordert zum Teil andere Kompetenzen und Qualitäten. Die Idee der Schola ist, dass junge Sängerinnen und Sänger schon während des Studiums das professionelle Chorsingen kennen lernen und erfahren, welche Herausforderungen sich ihnen in diesem Beruf stellen.

Was ist Ihre Aufgabe bei der Schola?

Die Schola besteht aus zwei Teilen. Die jungen Sänger arbeiten zehn Tage mit dem Rundfunkchor Berlin zusammen und studieren gemeinsam mit dem Chor ein Programm ein. Das heißt, sie sind bei allen Proben dabei und singen auch das Konzert mit. Im zweiten Teil arbeiten sie allein als Kammerensemble und studieren ein A-cappella-Programm ein. Ich finde diesen Teil sehr wichtig, denn im kleinen Ensemble tragen sie die komplette Verantwortung. Es ist wichtig, dass sie auch im Rundfunkchor Berlin mitsingen und einen Eindruck gewinnen können. Aber wenn man mit 63 Profisängern zusammen singt, klingt es immer gut. Im Kammerensemble a cappella müssen sie aber die Verantwortung für die Qualität selbst übernehmen. Diesen Teil zu leiten, ist meine Aufgabe. Ich habe in Oxford einen der Universitätschöre geleitet, habe also Erfahrung mit jungen Sängern. Wenn die Teilnehmer der Schola etwas über den Beruf des Chorsängers wissen möchten oder andere Fragen haben, bin ich für sie da und gebe Antworten.

Geht das Konzept der Schola auf?

Ich glaube schon. Ich mache das jetzt zum zweiten Mal. Das Feedback, das ich bekomme, ist gut und zeigt, dass das Konzept etwas ganz Besonderes ist. So etwas wird an der Hochschule nicht angeboten. Möglicherweise öffnet sich dadurch für einige Teilnehmer ein Berufsweg, den sie vorher nicht direkt wahrgenommen haben. In der Schola können sie erfahren, ob die Arbeit in einem Chor etwas für sie ist. Professioneller Chorsänger zu werden, ist keine zweite Wahl.

Was erwartet uns beim Abschlusskonzert am 17. November?

Das Hauptkonzert ist das »Stabat mater« von Antonín Dvořák, zusammen mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung von Jakub Hrůša. Nach dem Konzert in der Philharmonie wird die Bühne so schnell wie möglich umgebaut. Dann wird die Schola ein Post-Konzert a cappella aufführen. Das Programm ist eine breite, sehr anspruchsvolle Auswahl von Stücken, die alle eine Verbindung zu Dvořák und zur Passionsthematik haben.

Was machen Sie sonst noch beim Rundfunkchor Berlin?

Ich bin der Assistent des Chefdirigenten. Das heißt, ich bin immer dabei, wenn Gijs Leenaars mit dem Chor arbeitet und helfe ihm in der Vorbereitung seiner Projekte. Aber ich übernehme auch eigene Projekte und Einstudierungen. Ich leite dieses Jahr die Liederbörse und studiere zum Beispiel das Silvesterkonzert ein.

Wie sind Sie zum Rundfunkchor Berlin gekommen?

Ich kenne Simon Halsey, den früheren Chefdirigenten und jetzigen Ehrendirigenten, schon sehr lange. Über ihn bin ich in Kontakt mit dem Rundfunkchor Berlin gekommen. Als die Stelle frei wurde, hat man mich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe mich beworben und bin ausgewählt worden.

Welche Musik hören Sie privat?

Fast alles. Viel Musik der englische Renaissance und der deutschen Spätromantik. Und alles von Bach. Das ist wahrscheinlich mein Lieblingskomponist. Ich höre auch Jazz und Pop. Aber es gibt auch Zeiten, in denen ich nichts höre. Wenn ich viel studieren muss, ist Stille um mich herum.

Was sollte man in dieser Saison nicht verpassen?

Das Weihnachtskonzert, denn da singt der Rundfunkchor Berlin eines meiner Lieblingsstücke: die Messe von Frank Martin. Und der »Parsifal« zu Ostern mit den Berliner Philharmonikern wird auch toll werden.

 

Das Gespräch führte Arnt Cobbers.