Axel Scheidig, Bass im Rundfunkchor Berlin

Auf ein Wort mit Axel Scheidig

Auf ein Wort mit Axel Scheidig

Der Bassist Axel Scheidig ist seit 2005 festes Mitglied im Rundfunkchor Berlin. Dort ist er auch häufig als Solist zu hören, unter anderem beim anstehenden Mitsingkonzert. Im Interview spricht er über den historischen Bezug des kommenden Konzertes und die Besonderheit des beliebten Formates.

Welche Bedeutung haben die Mitsingkonzerte des Rundfunkchores Berlin für dich persönlich?

Das Mitsingkonzert ist für mich eine schöne Tradition, die Simon Halsey, unser ehemaliger Chefdirigent und jetziger Ehrendirigent, eingeführt hat. Ich war ein paar Mal als Solist dabei und habe auch für den Freundeskreis hinter den Kulissen mitgearbeitet und ich merke immer wieder, wie schön es für die Leute ist, mit uns gemeinsam zu singen. Es geht in erster Linie darum, das Chorsingen, das professionelle Chorsingen und den Spaß daran zu vermitteln.

 

Was verändert sich für euch als Chor, wenn das Publikum nicht „nur“ zuhört, sondern auch mitsingt?

Es macht Freude, zu sehen, was es den Leuten, die sich wochen- und monatelang vorbereitet haben und nun beseelt mitsingen, für einen Spaß macht. Das ist immer wieder schön. Wir als Chor sind da gerne unterstützend dabei und singen meist auch ein, zwei Parts allein. Dabei geht es nicht um die höchste musikalische Perfektion, da entsteht nicht der ganz große Glanz, das geht auch gar nicht in der Kürze der Zeit. Trotzdem ist es immer wieder beeindruckend, was sich im Laufe dieses einen Tages entwickelt. Es geht um die Gemeinschaft, die Leute sind euphorisch und tragen ihre Begeisterung fürs Chorsingen nach draußen – und das ist für mich das größte Anliegen dieses Projekts.

 

Welche besonderen Erinnerungen verbindest du mit dem Mozart-Requiem?

Vor allem eine sehr schöne Erinnerung: Ich durfte einen richtigen Glücksmoment erleben vor zwei, drei Jahren auf unserer Südamerikatournee. Da hatte ich ebenfalls eine Solo-Partie zu singen im Teatro Colón in Buenos Aires, diesem fantastischen Haus mit sieben Rängen vor mir, und als mein Part vorbei war und auch der Druck von mir abfiel, da haben meine Kollegen hinter mir noch ein, zwei A-cappella-Stücke gesungen. Und die konnte ich so dermaßen genießen – das war ein sehrgreifbarer Glücksmoment für mich, das war einzigartig.

 

Das kommende Mitsingkonzert hat einen engen Bezug zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Der Rundfunkchor Berlin singt zum Einstieg Schönbergs »Friede auf Erden«. Welche Verbindung siehst du zur heutigen Zeit?

Mit diesem Konzert setzen wir auch ein politisches Zeichen. Mit uns werden Chöre stellvertretend für alle Nationen, die besonders unter den Kriegsereignissen leiden mussten, auf der Bühne stehen. Damit ist das Konzert auch ein klares Bekenntnis zu einem gemeinsamen Europa. Kunst darf nie unpolitisch sein. Und ich finde, es gehört zum Gesicht des Rundfunkchores Berlin, sich zu äußern. Wenn ich den Rechtsruck in Deutschland sehe, wird mir angst und bange. Nur abzuwarten ist keine Lösung. Nur dadurch, dass wir mit allen Menschen, egal welcher Herkunft, Religion, Hautfarbe, zusammenarbeiten, nur so kann Kunst entstehen, die auf der ganzen Welt eine Bedeutung hat. Es ist eigentlich selbstverständlich und muss doch wieder gesagt werden.

Ist das Singen im Rundfunkchor Berlin für dich ein Traumberuf?

Ein absoluter Traumberuf! Meine musikalische Wiege stand in Wernigerode, dort habe ich viele Jahre im Rundfunkjugendchor gesungen und konnte mir schon damals eine Zukunft in einem Rundfunkchor gut vorstellen. Wernigerode war das weltliche Pendant zu den Kruzianern und den Thomanern. Den Chor und das Internat gibt es bis heute, wir haben dort ein sehr gutes Fundament bekommen. Ich liebe aber auch das Musiktheater, ich hab diesen Sommer zum Beispiel in der Oper in Jena den Basilio im »Barbier von Sevilla« gesungen. Aber das Reizvolle an der Arbeit im Rundfunkchor ist, dass man ein sehr vielfältiges Programm hat und somit genau sehen muss, wie man seine Stimme einsetzt.

 

Welche Musik hörst du privat?

Queen, Supertramp, Pink Floyd. Nicht umsonst heißt mein Sohn Jakob Frederik – wegen Freddy.

 

Und was sollte man in dieser Saison nicht verpassen?

Ich freue mich besonders auf den »Otello« mit dieser Besetzung, das wird italienischste Oper vom Feinsten. Und natürlich freue ich mich auf die Johannes-Passion mit Peter Sellars. Unser Chor hat enorm von der Arbeit mit ihm profitiert. Wir lieben ihn einfach und ich hoffe, dass das nicht die letzte Zusammenarbeit wird. Mit Peter Sellars hat der Chor einen Quantensprung gemacht. Ich freue mich sehr darauf, ihn wiederzusehen.

 

Termine
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Foto des Dirigenten Sir Simon Rattle