
Johannes Brahms
Ein deutsches Requiem op. 45
für Soli, gemischten Chor und Klavier zu vier Händen
eingerichtet von Phillip Moll nach der Originaltranskription von Johannes Brahms
Marlis Petersen - Sopran
Konrad Jarnot - Bariton
Phillip Moll - Klavier
Philip Mayers - Klavier
Rundfunkchor Berlin
Simon Halsey - Dirigent
Jochen Sandig - Szenische Einrichtung
Ilka Seifert, Sasha Waltz - Dramaturgie
Davide Camplani, Claudia de Serpa Soares -
Künstlerische Mitarbeit / Repetition
Brad Hwang - Raum
Jörg Bittner, Thomas Herda - Licht
Eine Produktion des Rundfunkchores Berlin in Kooperation mit Sasha Waltz & Guests und dem Radialsystem V
Termine 2012:
FR, 10. Februar 2012, 20 Uhr: Öffentliche Generalprobe
SA, 11. Februar 2012, 20 Uhr
SO, 12. Februar 2012, 20 Uhr
Chor@Berlin
SO, 19. Februar 2012, 20 Uhr
NÄHER DRAN
Jochen Sandig schafft einen Erlebnisraum für Brahms’ Deutsches Requiem
Johannes Brahms’ Ein deutsches Requiem (1867) gehört zum Kernrepertoire des Rundfunkchores Berlin. In der Reihe „Broadening the Scope of Choral Music“ schafft Jochen Sandig mit Mitgliedern der Compagnie Sasha Waltz & Guests Voraussetzungen, die bekannte Musik neu zu erleben. Normalerweise sind Bühne und Zuschauerraum im Konzerterlebnis streng getrennt. Sandig hebt die Trennung auf. Bühne und Zuschauerraum werden eins. Auch die Statik des traditionellen Konzerterlebnisses wird aufgegeben. Alle werden in Bewegung versetzt: Sänger, Publikum, Dirigent. Man bewegt sich im Klang, ist umgeben vom Klang, selbst den Klang umgebend. Die körperliche Nähe macht die musikalische Erfahrung direkter, intensiver und damit auch die inhaltliche Auseinandersetzung. Sandig nennt diese gemeinsam entwickelte Version „human requiem“. Die Kleinschreibung des Titels ist Programm: „Es geht um ein sehr unmittelbares Erlebnis“, erläutert Sandig, „um eine Form von Demut und Bescheidenheit.
Wir wollen nichts Großes. Wir wollen, dass sich die Menschen, und damit meine ich alle, den Chor, den Dirigenten, die Besucher, darauf einlassen.“ Sandig versteht Brahms’ Requiem weniger als Totenmesse denn als Raum des Nachdenkens für die Lebenden. Der Mensch ist das Thema des Werks – jeder einzelne Mensch, als Individuum gesehen: mit seiner persönlichen Geschichte, in seiner Beziehung zu seinen Mitmenschen im Raum, in seiner Beziehung zu sich selbst.
Auch die Sängerinnen und Sänger des Rundfunkchores Berlin sollen für das Publikum als Gemeinschaft aus Individuen erlebbar sein. Die Neudefinition der Aufführungsbedingungen ermöglicht Dialog. Durch unmittelbare Nähe,durch direkte Ansprache wird der Eindruck von Wort und Ton stärker, durch das Mit- und Nebeneinander von Sängern und Publikum der persönliche Appell, das Erlebnis der Eingebundenheit in die Aufführung gesteigert.
„Brahms hat auf sehr persönliche Weise Texte aus der Bibel ausgewählt, die sich mit der Sterblichkeit beschäftigen und damit, wie Menschen mit ihr klarkommen. Wir möchten einen Reflektionsraum schaffen“, so Sandig, „in dem diese Texte auf je ganz eigene Weise in jedem Einzelnen nachklingen können. Die große Halle des Radialsystems ist der ideale Ort für dieses Experiment.“ Eine solche mobile Aufführungskonzeption ist nur möglich, weil es eine authentische Fassung des Werks für Chor und Klavier zu vier Händen gibt. Diese Fassung, die der Rundfunkchor Berlin unter Simon Halsey in den letzten Jahren mehrfach erfolgreich aufgeführt und auch auf CD eingespielt hat, liegt dem „human requiem“, mit Marlis
Petersen und Konrad Jarnot als Gesangssolisten, zugrunde.
Titel und Konzeption dieses neuen „Broadening“-Projekts berufen sich übrigens auf einen Brief des Komponisten, der dem Dirigenten Carl Reinthaler gegenüber bekannte, „dass ich recht gern das ‚Deutsch’ fortließe und einfach den ‚Menschen’ setzte“.
Stimmen für das Brahms-Requiem: Sängerinnen und Sänger aus dem Rundfunkchor Berlin erzählen, was sie mit diesem Werk verbinden.




