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Rundfunkchor Berlin bewegt

'human requiem' - das Brahms-Requiem emotionalisiert, schon allein durch Text und Klang. Doch es bringt auch jeder Einzelne der Mitwirkenden etwas ganz Persönliches ein. Unsere Sängerinnen und Sänger melden sich zu Wort. Sie erzählen, was dieses Werk oder die Zusammenarbeit mit Jochen Sandig/ Sasha Waltz & Guests für sie besonders macht. Denn dies ist ein Requiem für den "Menschen" - so hätte Brahms es gern genannt.



Stimmen für das Brahms-Requiem: Sänger erzählen

 
„Schon als Kind war das Brahms-Requiem mein Lieblingswerk. Mein Vater war Kirchenmusiker in Berlin, ich habe es deshalb unter seiner Leitung schon früh gesungen, zunächst im Chor, später auch als Solistin. Seit ich im Rundfunkchor Berlin bin, wächst meine Beziehung zu dieser wundervollen Musik ständig weiter, mit jedem einzelnen Konzert. Eines meiner schönsten Erlebnisse war es, dieses Requiem zusammen mit dem Rundfunkchor und den Berliner Philharmonikern unter Rattle aufzuführen und für die CD-Aufnahme sogar noch mit einem Echo und einem Grammy belohnt zu werden. Ich freue mich auf das ‚human requiem’ im Radialsystem: Das wird musikalisch und szenisch wieder ein ganz neues Erlebnis für mich.“
Ricarda Vollprecht, Sopran
 

 

"Das Brahms-Requiem ist sozusagen meine musikalische Heimat – darin und daran bin ich groß geworden."
Sascha Glintenkamp, Bass

 

 
„Mein erstes Brahms-Requiem habe ich mit dem Rundfunkchor in Tokio gesungen. Da hatte ich gerade erst mein Vorsingen bestanden - diese Reise werde ich nie vergessen.“
Christine Lichtenberg, Alt

 

"In unserer 'Verkörperlichung' des Brahms-Requiems ergeben sich Augenblicke großer Nähe zwischen uns Sängern und dem Publikum. In dieser Musik steckt ohnehin eine starke Botschaft, hier kann sie eine sehr persönliche Dimension bekommen."
Annerose Hummel, Alt

 

 
„Ich habe das Brahms-Requiem zum ersten Mal im Oktober 2002 gesungen. Damals nahmen Terroristen im Moskauer Dubrowka-Theater 850 Menschen in Geiselhaft. Bei der Befreiung starben 129 Menschen. Unser Konzert am Tag danach widmeten wir den Opfern. Die Beklemmung angesichts dieses sinnlosen Verbrechens, die unendliche Schönheit dieser Musik - mir ist selten etwas so nahe gegangen.“
Sabine Eyer, Alt

 

„Mich berührt der fünfte Satz am meisten: ,Wie einen seine Mutter tröstet…' Im äußersten Pianissimo gesungen, hat diese Passage eine unglaubliche emotionale Kraft: der Inbegriff von Trost und Zuversicht.“
Michael Timm, Bass (6. Februar 2012)

 

 
„Das Brahms-Requiem ist der Grund dafür, dass ich überhaupt Sänger geworden bin! Während meines Kirchenmusikstudiums – ich war 21 Jahre alt – probten wir dieses Werk. Der Dirigent bat mich, in den Proben die Bariton-Partie aus dem Chor heraus zu singen. Da beschloss ich, nach Beendigung meiner Ausbildung Gesang zu studieren – und der Solist aus diesem Konzert wurde mein Lehrer.“
Wolfram Teßmer, Bass

 

„Das Brahms-Requiem war das allererste Projekt, das ich im Rundfunkchor Berlin gesungen habe, damals noch als Aushilfe. Im kommenden Jahr werden es 20 Jahre sein, in denen ich es in diesem Ensemble mit den verschiedensten Dirigenten unzählige Male wieder und wieder aufgeführt habe. Und noch immer gibt es für mich keine einzige Stelle, die mir routiniert über die Lippen käme. Es fasziniert und ergreift, erschüttert und verängstigt, beglückt und begeistert mich wie am ersten Tag. Die Möglichkeit, sich dabei frei und ohne Noten im Raum zu bewegen, wie sie diese Produktion eröffnet, verstärkt die körperliche und emotionale Dimension ungemein. Ich bin gespannt, wie das auf das Publikum wirkt und wie wir mit den unmittelbaren Reaktionen umgehen werden....“
Judith Engel, Sopran

 

 
‎"Auch für mich war das Brahms-Requiem eines der ersten Projekte mit dem Rundfunkchor Berlin. Ich war noch Aushilfe im Chor, und fand mich in einem Projekt der Superlative wieder: Die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle, der Rundfunkchor Berlin unter Simon Halsey, als Solisten Thomas Quasthoff und Dorothea Röschmann. Ich war mächtig beeindruckt und stolz! Kein Wunder, dass in mir der Wunsch reifte, diesem Chor einmal fest anzugehören. Dieser Wunsch wurde mir 2008 erfüllt. Und das Brahms-Requiem ist inzwischen ein liebgewonnener Freund, dem ich immer wieder gerne begegne." Holger Marks, Tenor

 

„Mit dem Rundfunkchor Berlin habe ich das Brahms-Requiem zum ersten Mal 1992 gesungen. Es war ein Friedenskonzert in der St. Maartenskathedraal im belgischen Ypern, im Gedenken an den Ersten Weltkrieg: Bei dem Versuch, die Stadt einzunehmen, setzten die Deutschen zum ersten Mal Giftgas ein, über 10.000 alliierte Soldaten wurden beim ersten Angriff vergiftet. In der Umgebung von Ypern gibt es riesige Soldatenfriedhöfe, weiße Kreuze, soweit das Auge reicht… Hier als Deutscher das Deutsche Requiem zu singen – das war eine Erfahrung, die mir sehr nahe ging.“ Jörg Schneider, Bass

 

 
"Brahms’ Deutsches Requiem hörte ich zum ersten Mal als Kind als meine Eltern mich zu einer Aufführung ihres Kirchenchores mitnahmen. Ich erinnere mich, dass das Stück mir unheimlich war, vor allem das dunkle „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ erschreckte mich.
Fast zwanzig Jahre später besuchte ich einen Freund, Francois, in Frankreich. Er holte mich mit dem Auto vom Flughafen ab und als wir losfuhren, hörte ich wieder die dumpfen, schweren Akkorde der Einleitung zu eben diesem zweiten Satz. Es war Nacht, wir fuhren über die menschenleere Autobahn und ich hörte zum ersten Mahl bewusst das ganze Requiem. Ich konnte mich seiner Tiefe und unglaublichen Schönheit nicht entziehen und kann es bis heute nicht. Francois erzählte mir, wie sehr er dieses Stück liebte, dass es ihm helfe, uns Deutsche zu verstehen und er es in höchstem Maße bewunderte als höchstes Werk der Chormusik.
Ich habe das Stück seitdem oft gesungen, sowohl im Chor als auch als Solistin (was immer unbefriedigend ist, denn die größten und schönsten Momente gehören dem Chor), und dabei immer wieder mit Ehrfurcht beobachtet, was es mit den Menschen macht, sowohl den Ausführenden als auch dem Publikum: Es lässt niemanden kalt. Seine Musik ist unzerstörbar, die Texte klar und stark, ob man nun gläubig ist oder nicht, und beides zusammen entfaltet seine Strahlkraft noch in der musikalisch unbefriedigendsten Aufführung.
Es ist ein beglückendes Erlebnis, diese Musik singen zu können und zu dürfen, den Zuhörern dadurch nahe zu kommen und ihnen Trost, Hoffnung und Erlösung zu schenken. Furcht, Dunkelheit und Tod sind nur die Transportmittel dafür.
Ich freue mich sehr, dass genau das der Grundgedanke der Inszenierung des human requiem ist: Die Nähe zu den Menschen zu suchen und das Stück individuell erleb- und gestaltbar zu machen, es aus der Distanz der Bühne zu holen und dahin zu bringen, wohin es gehört: zu den Menschen. Die mitunter unbefriedigende Klavierfassung erhält für mich hier ihre Rechtfertigung: Sie schafft Platz für die menschliche Stimme, für die Plastizität der einzelnen Stimmen und Stimmgruppen im Chor und die Emotionen jedes Sängers.
Der Rundfunkchor liebt und kennt dieses Stück wie kein anderes, von der ersten Probe an singen viele von uns es auswendig. Seine Inszenierung ist für mich nun der nächste logische Schritt, und kein großer, denn jeder von uns verbindet ohnehin schon viele eigene Erfahrungen mit diesem Requiem, an denen wir nun das Publikum noch viel unmittelbarer teilhaben lassen können als bisher. Ich freue mich sehr auf die Aufführungen!"
Barbara Kind, Sopran